Das Gewitter hatte kaum Abkühlung gebracht. Obwohl es das Gesprächsthema des Tages gewesen war, sogar auf dem Weg zur Arbeit hatte er gehört, wie zwei Frauen darüber sprachen. Was an sich kein Wunder war, denn ersten war es drückend heiß gewesen und zweitens war der Gehweg zu seiner Arbeit in der Mittagszeit dermaßen überlaufen, dass man alles mithören musste, was so gesprochen wurde. Das meiste davon war allerdings wahrscheinlich oberflächlicher Kram, Dinge die man Arbeitskollegen erzählt, wenn man Mittags zum Essen geht.
Die ganze Atmosphäre war irgendwie gespenstisch und faszinierend zu gleich, sie erinnerte ihn an ein Bankenviertel in New York, in dem zur Mittagszeit die Banker aus den Wolkenkratzern strömten, um beim Italiener oder Chinesen um die Ecke zu essen, die Männer alle in Anzug und mit Krawatte, die Frauen in kurzen, bider-sexy aussehenden Röcken oder Hosenanzügen. Im Gegensatz zu hier werden sie in New York aber sicher ihre Batches abnehmen, wenn sie zum Essen gehen, dachte er sich, als er einen Mann telefonierend auf dem Randstein ballancieren sah, mit einer Identifikationskarte oder etwas ähnlichem um den Hals, so genau konnte er das aus dem vierten Stock durch das kleine Fenster nicht erkennen.
Komisch, woher weiß ich eigentlich, dass in New York die Leute mittags aus Büros strömen, obwohl ich noch nie in New York gewesen bin? Es muss an diesen ganzen überdrehten Filmen liegen, die in New York spielen, wobei, nein, ich weiß es aus Dokumentationen und Nachrichtensendungen, da sieht man die Leute so rumlaufen. Ich weiß das also eher aus Zufall, naja, Zufall, die Nachrichtensprecher positionieren sich natürlich gerne vor einem Hintergrund, in dem Leute hektisch umher laufen, alle voller Tatendran, alle wichtig. Ein Scheiß.
Aber es ist Tatsache, dass es in New York sicher wahnsinning uncool kommt, wenn man außerhalb des Büros oder sogar beim Essen seine Zugangskarte um den Hals oder aus der Hosentasche baumeln hat, da bin ich mir sicher. So viel understatement haben die New Yorker, die wissen doch eh schon dass jeder noch so wichtige Mensch schon mal in ihrer Stadt war, von dem her brauchen sie sich da nichts mehr zu beweisen. Schon gar nicht, dass man Zugang zu einer Bank oder einem Büro hat, in dem dann wahrscheinlich eh hauptsächlich stinknormale Büromöbel, Büropflanzen und Kaffemaschinen rum stehen, die alle absolut unspektakulär und vor irgendwem geschützt werden müssen. Ihre Daten, die vielleicht wichtig oder sensibel sein könnten, lassen sie sich doch trotz Security am Eingang und ID-Card klauen, entweder sie verschicken es aus Versehen selbst, oder sie werden gehackt. Oder, die Angestellten kommen auf die Idee, ausgediente Computer auszuschlachten und die scheinbar gelöschten Festplatten bei Ebay zu verkaufen. Erst neulich war bekannt geworden, dass tausende sensible Daten auf solchen Festplatten verkauft wurden.
Selbst Entwicklungsprojekte des Militärs waren wiederherstellbar gewesen.
Langsam kühlte es sich wirklich ab - es regnete ja auch schon seit ein paar Stunden.
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eigentlich müsste man doch zugangskarten gar nicht mehr sichtbar tragen. beim skilift gehts ja auch ohne.
AntwortenLöschenich klippe zugangskarten gerne an der vorderen jeans-hosentasche fest. ich finde das hat etwas handwerklich-tatkräftiges. weil oben rum würde es ja vielleicht die beweglichkeit einschränken.